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Jenseits von Karlsbad und Evian. Anmerkungen zu einer jüdischen Geschichte des Heilbades in der Frühen Neuzeit

Für die Moderne steht die Bedeutung der Heilbäder in der jüdischen Geschichte außer Frage. In der Sozial- und Kulturgeschichte stehen die jüdischen Besucher von Kurorten für den Erfolg von Embourgeoisement und Integration, ihr Ausschluß für die tiefen Verwerfungen, die diese Prozesse in Frage stellten. Mit dem 12. und 13. Zionisten-Kongress in Karlsbad (1921 und 1923), der 3. Kenessio Gedaulo der Agudath Israel in Marienbad (1937), der Konferenz von Évian (1938) und der Nutzung von Heilbädern als Displaced Persons’ Camps unmittelbar nach 1945 ließen sich auch wichtige Etappen der jüdischen Politik- und Diplomatiegeschichte im Spiegel der Geschichte von Heilbädern schreiben. Im Unterschied zum 19. und 20. Jahrhundert ist eine jüdische Geschichte des Heilbades in der Frühen Neuzeit allenfalls in Grundzügen zu erkennen. Ziel dieses Vortrages ist es, anhand von Beispielen aus dem heutigen Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich und Tschechien Eckpunkte einer solchen Geschichte herauszuarbeiten und zur Diskussion zu stellen, wobei die Einordnung in die Reichsgeschichte und die Rechtsgeschichte eine besonderen Schwerpunkt bildet.


Dr. Stephan Wendehorst studierte Neuere und Alte Geschichte, Volkswirtschaft und Rechtswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1996 promovierte er in Neuerer Geschichte an der Universität Oxford. Zwischen 1999 und 2005 war Wendehorst leitender Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Stellvertretender Direktor des Simon-Dubnow-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig. Seit 2009 ist er Feodor-Lynen Rückkehrstipendiat der Alexander von Humboldt Stiftung bzw. leitender Wissentschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Institut der Justus-Liebig-Universität Gießen. Des Weiteren ist Dr. Wendehorst kommissarischer Koordinator des Forschungsclusters „Jüdisches Hl. Römisches Reich. Geschichte der Juden als Geschichte von Zwischenräumen eines polyzentrischen Politik-, Rechts- und Sozialsystems – The Jewish Holy Roman Empire” („History of the Jews as History „In Between“ in a Polycentric Political, Legal and Social System“), schreibt eine Studie über „Die vergessene Seite der Emanzipation: Die Juden in der Religionsverfassung des Römisch-Deutschen Reichs und seiner Nachfolgestaaten“ und lehrt Geschichte der Frühen Neuzeit an der Justus-Liebig-Universität Gießen sowie Rechtsgeschichte an der Universität Wien.

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