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Die Vertreibung der Kitzinger Juden 1763: Ein Konflikt um Konversion und Zwangstaufen im Hochstift Würzburg.

Im Sommer 1763 wurden auf ausdrücklichen Befehl des Würzburger Fürstbischofs Adam Friedrich v. Seinsheim sämtliche Kitzinger Juden aus der Stadt vertrieben. Anlass war die Flucht einer jüdischen Witwe, deren 15jährige Tochter angeblich in einem Kloster zum katholischen Glauben übertreten wollte. Bevor der Kitzinger Stadtvogt das Mädchen über seine Konversionsabsichten befragen konnte, waren Mutter und Tochter in das ansbachische Kleinlangheim und schließlich nach Fürth geflohen. Die Würzburger Regierung stellte der Jüdischen Gemeinde daraufhin ein Ultimatum und verlangte die sofortige Rückkehr der Flüchtigen. Als Mutter und Tochter unauffindbar blieben, musste tatsächlich die ganze jüdische Gemeinde emigrieren.
Etwa zeitgleich schufen drei zur Taufe entschlossene Juden ein Klima, in dem das Thema Judentaufe in aller Munde war, und offenbar den Ehrgeiz von geistlicher und weltlicher Obrigkeit anfeuerte. Innerhalb von wenigen Wochen wurden 21 Juden, Väter und ihre Kinder, gegen den Willen ihrer Mütter, christlich getauft.
Zu einer Zeit als ganz Mitteleuropa unter den Folgen des Siebenjährigen Krieges zu leiden hatte, aber auch von Toleranz und Aufklärung sprach, wurde Kitzingen Schauplatz der wohl letzten Vertreibung einer städtischen Judengemeinde im Alten Reich. Erst rund einhundert Jahre später durften sich wieder Juden in Kitzingen ansiedeln.


Jesko Graf zu Dohna, geb. 1961 in Mainz, studierte Neuere und Mittelalterliche Geschichte sowie Evangelische Kirchengeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, wo er 1989 mit Magister Artium bei Prof. H.G. Hockerts abschloss. 1991 war er mit der Erfassung der Rara-Bestände in der Bibliothek des Deutschen Historischen Museums Berlin betraut. Seit 1992 leitet Graf Dohna des Fürstlich Castell`schen Archiv in Castell (Unterfranken). Seit 2003 ist er weiters Lehrbeauftragter für Bayerische und Fränkische Landesgeschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

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