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Jüdische Minderheiten, das Minderheitenschutzsystem des Völkerbundes und die Frage der Loyalität: Ein Überblick

Während der Friedensverhandlungen in Versailles im Frühjahr-Sommer 1919 gehörten Vertreter jüdischer Gruppen zu den entschiedensten Befürwortern der Einrichtung einer internationalen Kontrolle über die Behandlung von ethnischen, sprachlichen oder religiösen Minderheiten durch einige Nationalstaaten in Mittel- und Osteuropa. Das System zum Schutze von Minderheiten, das sich im Laufe der Zwischenkriegszeit entwickelte, umfasste vom Baltikum über Ost- und Mitteleuropa, vom Balkan bis zur Türkei und dem Irak bis zu 14 dem Zerfall der Vielvölkerreiche entsprungene, neue oder territorial vergrößerte Nationalstaaten, in denen etwa 30 Millionen zu Minderheiten gehörende Menschen lebten – davon rund 5 Millionen Juden. Ein besonders wichtiges Merkmal dieses neuartigen Systems bestand darin, dass im Falle einer mutmaßlichen Verletzung der Bestimmungen des Minderheitenschutzes durch einen daran entsprechend gebundenen Staat jede beliebige Person den Völkerbund mittels einer schriftlichen Eingabe um Hilfe ersuchen konnte. Es war die Petition, die das Verfahren des Völkerbundes zur Überprüfung Minderheiten betreffende staatlicher Maßnahmen ins Rollen brachte. Doch im Vergleich zu anderen Minderheiten machten aber gerade Juden auffallend selten von dieser Möglichkeit Gebrauch.
Anhand einiger konkreter Beispiele jüdischer Petitionen sollen zum einen die Lebensumstände der jüdischen Minderheiten sowie die Funktionsweise des Minderheitenschutzes skizziert werden, zum anderen aber auch die Hintergründe für die Zurückhaltung angesprochen werden, die den jüdischen Umgang mit dem Instrument der Petition kennzeichnete.


Omry Kaplan-Feuereisen wurde in Lugano, Schweiz, als Sohn israelischer Eltern geboren.
1995-1999: Studium des Völkerrechts, der Geschichte, Wirtschaft, Politikwissenschaften und Internationalen Beziehungen, Universität Genf und Institut de Hautes Etudes Internationales, Genf, Schweiz.
2000-2001: Strategic Studies Program, Tel Aviv University, Israel.
2001-2008: Forschungsassistent des Historikers Dr. Tom Segev, Jerusalem. Arbeit an den Projekten 1967: Israel, the War, and the Year that Transformed the Middle East und Simon Wiesenthal.
2002-2005: Aufnahme der Arbeit an einer Dissertation am Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig (Professor Dr. Dan Diner). Thema der Arbeit: Geschichte, Völkerrecht, Nation. Jacob Robinson, das Institute of Jewish Affairs und die Politik der Wissenschaft.
2006-2010: Weiterführung der Promotionsarbeit an der Freien Universität in Berlin.
Zurzeit: Arbeit an der Fertigstellung der Dissertation, freiberufliche Tätigkeit als Übersetzer.

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