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Schwerpunktprogramm der Sommerakademie 2017

„Juden und jüdische Gemeinden im Staatskirchenrecht“ lautet das Schwerpunktthema der Sommerakademie 2017. Was auf den ersten Blick ein Thema nur für Spezialisten zu sein scheint, war und ist in Ländern, die keine oder zumindest keine vollständige Trennung von Staat und Kirche kennen (Deutschland, Frankreich bis 1905, Griechenland, Israel, Österreich, Russland, Schweiz) und in denen jüdische Gemeinden öffentlich-rechtlich anerkannt sind, ein vielfach unterschätzter Faktor für das Verständnis des Verhältnisses von Staat und Juden als Religionsgemeinschaft. Die Konzentration der Forschung auf die rechtliche Gleichstellung der Juden als Individuen, der Bedeutungsverlust des Staatskirchenrechts, die Annahme einer fortschreitenden Säkularisierung von Staat und Gesellschaft sowie die Erfindung der Juden als moderne Nation haben die staatskirchen- , modern gesprochen religionsrechtlichen Rahmenbedingungen kollektiver jüdischer Kontinuität in Vergessenheit geraten lassen. Vor dem aktuellen Hintergrund der „Wiederkehr der Götter“ (Wilhelm Graf) beleuchtet die Sommerakademie verschiedene Aspekte der jüdischen Variante des Verhältnisses von Staat, Recht und Religion in Geschichte und Gegenwart. Zu den Themen zählen u.a. das jüdische Recht als Partikularrecht in der vergangenen Welt des Ius Commune, das jüdische Familienrecht, die staatskirchenrechtlichen Grundlagen jüdischer Gemeinde-, Kultus-, Sozial- und Bildungseinrichtungen, die Bedeutung des Religionsverfassungsrechts für die rechtliche Gleichstellung der Juden und die Kontroversen um den Stellenwert des jüdischen Rechts in der Rechtsordnung des Staates Israel.

Zielgruppe

Die Sommerakademie richtet sich in erster Linie an fortgeschrittene Studierende und Nachwuchswissenschaftler sowie an Lehrer und Multiplikatoren in Bildung- und Kultur, die in konzentrierter und anspruchsvoller Form Kenntnisse zum Verhältnis von Staat, Recht und Juden vom ausgehenden Mittelalter bis zur Gegenwart erwerben bzw. vertiefen möchten. Zielgruppe sind nicht nur Studierende und Angehörige der Träger und Kooperationspartner der Sommerakademie, sondern auch interessierte externe Interessenten.

Mit einer Auswahl von öffentlichen Vorträgen und Podiumsdiskussionen, die grundsätzliche und/oder aktuelle Themen behandeln, ist die Sommerakademie bemüht, einen Beitrag zum „Academic Outreach“ zu leisten.

Die Sommerakademie kann als Gesamtpaket, aber auch abschnittsweise belegt werden. Es besteht die Möglichkeit, z.B. nur einen der Handschriften- und Quellenkurse, eine Exkursion, eine der Podiumsdiskussionen oder einzelne ausgewählte Vorträge bzw. Lehreinheiten, z.B. zu den jüdischen Betreffen des Reichshofrats, zum jüdischen Familienrecht oder zum Verhältnis Maria Theresias zu den Juden zu besuchen. Dabei ist zu beachten, dass, die explizit als „öffentlich“ bezeichneten Vorträge und Programmabschnitte ausgenommen, auf einen Unkostenbeitrag bzw. eine Teilnahmegebühr aufgrund des knappen Budgets nicht verzichtet werden kann.

Zulassungsvoraussetzungen und Auswahlverfahren

Voraussetzung für die Teilnahme an der Sommerakademie ist eine erfolgreiche Bewerbung. Individuelle Bewerbung bestehend aus einem kurzen Motivationsschreiben können in elektronischer Form an Dr. Stephan Wendehorst gerichtet werden.

Das Bewerbungsverfahren unterscheidet zwischen internen und externen Bewerbungen. Das Verfahren für interne Bewerber, d.h. für Studierende und Mitarbeiter der Trägerinstitutionen, richtet sich nach den Bestimmungen der jeweiligen Universität bzw. Forschungseinrichtung.

Für externe Teilnehmer gibt es zwei Bewerbungsrunden. Die erste Bewerbungsfrist für externe Bewerber endet am 15. Mai 2017. Die zweite Bewerbungsfrist endet am 30. Juni 2017. Voraussetzung für die Teilnahme externer Interessenten ist eine 

Über die Auswahl entscheidet ein Auswahlausschuss, der sich aus Vertretern der Träger der Sommerakademie zusammensetzt. Vorläufige Zu- und Absagen über Aufnahme, Voll- und Teilstipendien erfolgen für die erste Runde am 18. Mai 2017, für die zweite Runde am 3. Juni 2017. Eventuell verbliebene Restplätze können bis zum 14. Juli 2017 nachgefragt werden. Die endgültige Aufnahme erfolgt, sobald die Einzahlung der Unkostenpauschale bzw. der Teilnahmegebühr sowie der Pauschale für Unterkunft und Verpflegung erfolgt ist.

Stipendien

Die an der Sommerakademie beteiligten Universitäten unterstützen die Teilnahme ihrer Studierenden in finanziell unterschiedlichem Ausmaß und im Rahmen unterschiedlicher interner Förderprogramme.

Qualifizierte Studierende der an der Sommerakademie beteiligten Universitäten sowie externe Bewerber, die an der gesamten Sommerakademie teilnehmen möchten, aber von ihrer Heimatuniversität keine oder keine hinreichende Förderung erhalten, können sich um ein Vollstipendium in einer Höhe von € 940,00 oder um ein Teilstipendium in Höhe von € 620,00 aus Mitteln, die bei der Gerda Henkel Stiftung beantragt sind, bewerben. Die Unkostenpauschale in der jeweiligen Höhe entsprechender universitärer Anbindung, sowie die Kosten für An- und Abreise sind in jedem Fall selbst zu tragen.

Kursprogramm

Das Kursprogramm der Sommerakademie setzt sich aus fünf Blöcken zusammen:

◊ A - Grundlagen und Diskussion

◊ B - Schwerpunktthema

◊ C - Exkursion und Vermittlung

◊ D-I - Handschriften und Quellenkunde in unterschiedlichen Niveaustufen in deutscher und in jüdischen Sprachen

  • D - Deutsche Quellen und Handschriften für Anfänger
  • E - Deutsche Quellen und Handschriften für Fortgeschrittene
  • F - Hebräische, judendeutsche und jiddische Quellen und Handschriften für Anfänger ohne Vorkenntnisse
  • G - Hebräische, judendeutsche und jiddische Quellen und Handschriften für Anfänger mit Vorkenntnissen
  • H - Hebräische, judendeutsche und jiddische Quellen und Handschriften für Fortgeschrittene
  • I - Judenspanische Quellen und Handschriften

◊ J-K - historische Moot Courts zum Ius Commune und zum jüdischen Recht

Abschluss

Bei erfolgreichem Besuch der Sommerakademie wird ein Abschlusszeugnis verliehen. Das Abschlusszeugnis gibt in Verbindung mit dem Programm Auskunft über Art und Anzahl der besuchten Lehreinheiten. Aufgrund der unterschiedlichen Funktionen, die die Sommerakademie im Lehrprogramm der Trägerhochschulen einnimmt, erfolgt die Anrechnung von ECTS-Punkten durch die jeweilige Hochschule.

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