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Jüdisches Heiliges Römisches Reich

Geschichte der Juden als Geschichte von Zwischenräumen eines polyzentrischen politischen, rechtlichen und sozialen Systems

 

 

Allgemeine Informationen

Die jüdische Geschichte des 1806 untergegangenen Heiligen Römischen Reichs stellt die Forschung vor mindestens ebensogroße Rätsel wie die Geschichte des Reichs selbst. Trotz zahlreicher Arbeiten zur Geschichte der jüdischen Lebenswelten sind zahlreiche Fragen, gerade auch solche grundsätzlicher Natur, unbeantwortet. Ziel des Projektclusters „Jüdisches Heiliges Römisches Reich“ (JHRR) ist eine integrierte Neuinterpretation der Geschichte der Juden im Römisch-Deutschen Reich der Frühen Neuzeit. Die Herausforderung liegt in der Beantwortung der Frage, ob die Geschichte der Juden im Römisch-Deutschen Reich mehr darstellt als die bloße Summe letztlich nicht miteinander verbundener Teilgeschichten.

Bei dem Versuch, Juden als Individuen und als Gruppe als Teil dieser politisch, sprachlich, sozial und religiös hochgradig heterogenen, gleichzeitig imperial überwölbten Herrschafts-, Rechts- und Gesellschaftsordnung zu verstehen, werden jüdische Handlungsspielräume als Zwischenräume zwischen den verschiedenen Ebenen der Herrschaft und des Rechts begriffen. Der Fokus der Forschung liegt auf zwei ineinander greifenden Konstellationen: Schwerpunkt sind zum einen die Beziehungen zwischen jüdischem Binnenraum und nicht-jüdischer Umwelt, zum anderen das Spannungsverhältnis zwischen Landesherrschaft und den imperialen, durch Kaiser und Reich bestimmten Rahmenbedingungen jüdischer Existenz.

Ansatzpunkt für das Ausloten jüdischer Handlungsräume sind die Rechtsverhältnisse der Juden. Wenn danach gefragt wird, vor welchen Foren Juden welche Prozesse führten, auf welcher Rechtsgrundlage diese Foren ihre Entscheidungen fällten und welche Rechtsquellen die für Juden maßgeblichen Normen hervorbrachten, wird deutlich, dass die Parameter jüdischer Handlungsspielräume in ihren Möglichkeiten ebenso wie in ihrer Begrenztheit nicht unilateral durch den Kaiser, die Landesherrschaften oder das jüdische Religionsrecht bestimmt wurden, sondern sich relationell aus den zwischen diesen Ebenen der Herrschaft und des Rechts bestehenden Spannungsverhältnissen ergaben.

Begonnen hat der Projektcluster als Kooperation zwischen Prof. Dr. Andreas Gotzmann (Universität Erfurt), Prof. em. Dr. Dr. h.c. mult. Michael Stolleis (Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte, Frankfurt a.M.) und Dr. Stephan Wendehorst (Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig, bis 2004) zur Erschließung der archivalischen Überlieferung des Rabbinatsgerichts der Dreigemeinde Hamburg-Altona-Wandsbek und der jüdischen Betreffe des Reichshofrats. Seit den ins vergangene Jahrhundert zurückreichenden Anfängen hat der informelle Forschungsverbund weitere Wissenschaftler und Institutionen als Kooperationspartner gewonnen, Tagungen, Workshops, Sommerakademien und Doktorandenklausuren veranstaltet und erste Ergebnisse vorgelegt.

Im Mittelpunkt der Wiener Aktivitäten des Projektclusters, die seit 2010 am Institut für Rechts- und Verfassungsgeschichte der Universität Wien verankert sind, stehen die Erschließung der jüdischen Betreffe des Reichshofrats durch PD Dr. Stefan Ehrenpreis (Humboldt-Universität Berlin), Prof. Dr. Karl Härter (Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte) und Dr. Stephan Wendehorst (Justus-Liebig-Universität Gießen/Universität Wien) und die kritische Edition der Josephinischen Toleranzpatente für die Juden durch Dr. Louise Hecht (Univerzita Palackého v Olomouci/Universität Wien).

Universität Wien
Institut für Rechts- und Verfassungsgeschichte
Projektcluster
Jüdisches Hl. Röm. Reich (JHRR)


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